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Künstliche Intelligenz, Mittelstand und Datenhoheit

Veranstaltung des Liberalen Mittelstandes Berlin in der Botschaft von Ungarn

Nahezu ein Kampf um den letzten Stuhl lieferten sich die über 120 Gäste der dritten großen Veranstaltung des Liberalen Mittelstandes Berlin in diesem Jahr, am 17. September, diesmal zum Thema Künstliche Intelligenz und ihre Relevanz für den Mittelstand.

Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden des Liberalen Mittelstandes, Christian Grosse, und einem Dank an die Gastgeber aus Ungarn ergriff der Gesandte, Dr. András Izsák, in Vertretung für Botschafter Dr. Györkös das Wort: Zunächst sei Blockchaintechnologie das vom Liberalen Mittelstand annoncierte Thema gewesen, doch das sei ihm zu weit gefasst gewesen, Künstliche Intelligenz  -oder im Englischen AI (artificial intelligence)- hingegen sei konkreter und „ein Top-Thema“. In Ungarn habe die Regierung deshalb vor knapp einem Jahr die Koalition für Künstliche Intelligenz einberufen. Er freue sich daher, dass so viele Interessierte der Einladung zum gemeinsamen Abend der Botschaft und des Liberalen Mittelstandes gefolgt seien.

Koalition für Künstliche Intelligenz in Ungarn

Einen Einstieg in das Thema bot dann Zoltán Galla, Geschäftsführer Startup-Campus Berlin, dem deutschen Ableger von startup campus global (http://scglobal.co.uk) . Er erläuterte den Stand der Vernetzung zum Thema KI in Ungarn und stellte die Plattform und deren Akteure, nationale wie internationale Unternehmen und Institute, z.B. Forschungslabore sowie konkrete Beispiele (Unternehmen hubscience und neticle) vor.

Enormes Potential, die Welt ein bisschen besser zu machen,….

ist Dr. Katarina Adam, Professorin der Ingenieurwissenschaften an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, sicher, haben die neuen Technologien. Sie hielt ein leidenschaftliches Plädoyer, Technisierung und Automatisierung mutig zu begleiten, Algorithmen würden nun einmal zunehmend unser Leben bestimmen, aber der Mensch werde immer die lenkende Instanz sein, weil er entscheidet und entscheiden muss, welche Daten, wie und wo generiert werden dürften. Dies muss laut Adam intelligent geregelt werden, die europäische Datenschutzgrundverordnung sei hierfür, trotz bekannter Unzulänglichkeiten im Einzelnen, ein richtiger Schritt.

Am Beispiel des machine learning  bei Autos sei zu sehen, wo wir heute stehen, wohin die Reise gehen werde.

Algorithmen bestimmen unser Leben? Dann ist es vielleicht doch bald vorbei mit der Herrschaft des Menschen über Maschinen, können Geräte irgendwann „denken“ wie Menschen, gab ein Gast später in der Diskussionsrunde in den Raum. Frau Professor Adam sieht den programmierenden Menschen im Zentrum, weltweit betrachtet seien dies überwiegend „weißhäutige“ aus westlichen Ländern, jung und männlich. “Ermutigen Sie also ihre Töchter, wir brauchen mehr weibliche Programmierer“.

Internet of things….

…..ist allenthalben als Stichwort bekannt, auch wenn KI deutlich mehr umfasst. Es sind deutlich mehr Geräte miteinander verknüpft als es Menschen auf der Welt gibt.

Besondere Bedeutung würden in Zukunft augmented reality und virtual reality erlangen.

Im Gegensatz zur virtuellen Realität, bei welcher der Benutzer komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, steht bei der erweiterten Realität die Darstellung zusätzlicher Informationen im Vordergrund.

Datenschutz und Datenhoheit…

…. sind laut Frau Prof. Adam die Kernfelder, mit denen sich zumindest jeder Unternehmer auseinandersetzen müsse, und der Mittelstand müsse sich sehr viel stärker für Kooperationen öffnen, um den großen Plattformen „die Stirn bieten“ zu können.

Blockchain sei, zumindest generell betrachtet, ein zukünftiges Modell, eine besondere Datenbank, um  die Datenhoheit zu dezentralisieren. In China werden Blockchain-Lösungen mit großer Geschwindigkeit forciert.

Lesen, Treffen, test & do

Jedem empfiehlt Frau Adam, sich zum Thema KI, Blockchain etc. tagtäglich aufzuladen: „ Lesen Sie dazu viel, treffen Sie sich -so wie auf dieser Veranstaltung-, außerdem: test and do!

Im wachsenden Dickicht der Blockchain-Technologien gibt es sogar eine von der EU-Kommission in´s Leben gerufene Vereinigung vertrauenswürdiger Blockchain-Anwendungen, englisch international association for trusted blockchain applications, deren board member Rechtsanwältin Dr. Nina-Luisa Siedler ( DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH) die Chancen an der Teilnahme an Blockchain-Technologien im Vergleich zu bisherigen Netzwerken ( z.B. Genossenschaften) und die daraus resultierenden Vorteile/Chancen gerade für KMU plastisch darstellte. Der gerade für kleinere Unternehmen spannende Grundgedanke sei, dass nicht ein einzelnes Unternehmen das Netzwerk dominiere, die Daten gehörten allen oder keinem außer dem individuellen Nutzer, zudem transparente im Softwarecode abgebildete Regeln. Natürlich gebe es auch noch offene Fragen wie governance, plutokratische Strukturen (Gefahr: Fehlanreize). 

Gefahr durch Kryptowährungen?

Auch auf die aktuelle Diskussionen und die Reaktionen der Politik auf die stark anwachsende Zahl von digitalen Zahlungsmitteln, oftmals auf Blockchain-Technologie basierend, ging Frau Dr. Siedler ein. Fast viertausend Kryptowährungen gibt es und im nächsten Jahr plane Facebook, mit anderen Großkonzernen das elektronische Zahlungsmittel Libra auf den Markt zu bringen. Man benötige deshalb jetzt eine intensive Beschäftigung professioneller Institutionen mit Cryptogovernance.

Auch die Differenzierung zwischen stark und schwach gibt es bei der Künstlichen Intelligenz laut Christopher Kränzler, Gründer und CEO des KI-Unternehmens lengoo GmbH, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Digitalisierung sowie Automatisierung von Geschäftsprozessen in Großkonzernen rund um das Thema Internationalisierung voranzutreiben, zugleich Mitglied des Hauptvorstandes von BITKOM.

Mit einem an die Frage aus der Diskussionsrunde „ Werden Maschinen denken können wie der Mensch?“ erinnernden Bild stellte Kränzler in der Schlussrunde interessante Beispiele des Lernprozesses von Maschinen dar: Schwache KI löst Aufgaben nach vom Menschen vordefinierten Mustern, starke KI hingegen lernt tatsächlich und kann jegliche Aufgabe mit menschlicher Intelligenz lösen. Seine die Fragerunde einleitende These sollte beruhigen: „Wir Menschen werden immer Herrscher darüber sein, wie Daten zur Verfügung gestellt werden, z.B. nach ethischen Gesichtspunkten“.

Der Liberale Mittelstand Berlin wird das überprüfen!

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